Basalt

Wo Milde und Härte aufeinandertreffen

Kunstforum und Sparkasse präsentieren die widersprüchlichen Werke des Freiburger Bildhauers Ralf Weber.

TITISEE-NEUSTADT. Sein bevorzugtes Material ist eine spezielle Art schwarzer Basalt, der allgemein als Granit bezeichnet wird: Zur Ausstellung blackwhiteforest des Freiburger Bildhauers Ralf Weber begrüßte Meryem Yalcinkaya von der Sparkasse das Publikum. Ihr folgte Rainer Mertens vom Kunstforum. Er gab bekannt, die Veranstaltung in der Schalterhalle der Bank würde etwas später im Kunstforum in der Salzstraße mit weiteren Arbeiten des 1972 geborenen Künstlers fortgesetzt. Weber ist seit Jahren auf vielen Messen vertreten.

Basalt, der aus Schweden stammende, vierkantig zugesägte und auf Hochglanz polierte Naturstein, verfügt über eine ungewöhnliche Dichte. Hören lässt sich die Undurchdringbarkeit am Klang, der an Metall erinnert. Ralf Weber rückt der versammelten Enge des Steins in seinem Atelier mithilfe eines diamantbesetzten Winkelschleifers auf den Leib. Damit löst er Material aus dem Granit heraus. Die Technik des Aushöhlens erinnert entfernt an den englische Bildhauer Henry Moore, der sie schon im 20. Jahrhundert anwandte, wenn auch auf ganz andere Weise. Im Unterschied zu den weichen und an den menschlichen Körper erinnernden Formen des vielfach geehrten Moore, schlägt Weber den gegensätzlichen Weg ein. Seine Kuben finden ihren Halt nicht wie die Skulpturen bei Moore im Innenleben, sondern in der äußeren Hülle. Dazu dient ein Flechtwerk aus einem sich überkreuzenden Band. Es hält das frei dastehende Gerüst zwar aufrecht, in seinem Innern aber herrscht Fragilität. In den Steinkörpern, die aus der Distanz einem langgestreckten, durchlässigen Flechtwerk gleichen, befindet sich lediglich etwas zerklüftet Stabartiges, vielleicht auch Absterbendes oder schon Abgestorbenes. Wenn der Engländer Moore in der Mitte der Bildhauerkunst steht, dann hält sich Weber mit seinen Stücken vergleichsweise außerhalb dieser Mitte auf. Einerseits mag man dem Künstler eine ernste Suche attestieren, ein Erkunden des Verdichteten, andererseits wünscht man sich, er hätte mehr von der enormen Formkraft des der Natur abgerungenen Steins für den Betrachter zurückbehalten und gestaltet. Weber selbst spricht von einer Gratwanderung, vor der unglaublichen Härte des Materials zu bestehen. Ein unbedachter Moment mit der Trennscheibe beim Abtragen des Werkstoffs fügt dem Stein einen Riss als bleibenden Schaden zu. Dann muss Weber ihn durch einen Neuen ersetzen. Seine Arbeitsweise ist riskant, klar ist aber auch, der extrem schwere und harte Stein macht es der Kunst im Ganzen nicht leicht.

In der Ausstellung an den zwei genannten Orten treten aber auch Harmonie und Sanftmut ins Bild. Weber schafft dies mit einem weißen Marmor aus Italien. Das milchig weiße Material formt er zu einer kreisrunden, dem vollen Mond ähnelnde, leicht erhabene Scheibe. Deren Fläche ist etwas überraschend mit Rillen bedeckt. Solche Symbolik, die auf existierende Himmelskörper verweist, nutzten schon die alten Kulturen. Heute knüpft sie eher an die dekorativen Wünsche des modernen Konsumenten an. In einem anderen Objekt schleift Weber das weiche Gestein zu einer gewellten, rechteckig abgegrenzten Landschaft. Das an der senkrechten Wand befestigte Kunstwerk strahlt eine ungewöhnliche, wenn auch etwas beliebige Milde aus.

Stellt man Webers künstlerische Arbeiten mit den so unterschiedlichen Materialien Granit und Marmor abschließend nebeneinander, erlebt der Besucher der Vernissage ein Wechselbad der Gefühle und eine regelrechte Umkehr des Harten zum Weichen. So gesehen besteht in beiden, nur 300 Meter voneinander entfernten Lokalitäten Gelegenheit zu einem widersprüchlichen und besonderen Kunsterlebnis.

13. November 2019 , Badische Zeitung