Musiklehrer

Das Konzert der Musiklehrer

Von A wie Akkordeon bis zu Z wie Zupfinstrumente: 20 Musikpädagogen lassen ihr Können ertönen.

Die Musikerinnen und Musiker der JMS Jugendmusikschule Hochschwarzwald bewiesen mit ihrem Lehrerkonzert 2020 im Hinterzartener Kurhaus, dass auch ein anspruchsvolles Publikum von ihrer Kunst verzaubert wird. Die musikpädagogischen Fachgebiete der Interpreten reichen von A wie Akkordeon bis zu Z wie Zupfinstrumente.

Jeder, der als Kind einmal ein Instrument gelernt hat, verbindet damit Erinnerungen an seine Musiklehrerin oder seinen Musiklehrer. Das sind prägende Begegnungen auf dem Boden der Musikerziehung, die nicht vergessen werden. Die einzelnen Lehrerpersönlichkeiten bringen den Schülern nicht nur Musik an einem handwerklich und klanglich wertvollen Instrument bei, sie vermitteln auch den sozialen Umgang miteinander, fördern Charakterstärke und geben ihr Können an die Jüngeren weiter, ohne dass viel darüber gesprochen wird. Die Grundlage des Ganzen ist dabei die Musik, auf der alles steht. Die meisten Musiklehrer der JMS Hochschwarzwald sind studierte Musiker und unterrichten an mehreren Musikschulen der Region, sie engagieren sich vielseitig in Orchestern oder Kammerspielen und tragen so wesentlich zum Kulturleben der Region bei. Das musikalische Zeugnis ihres Könnens, das sie in Hinterzarten abgaben, bereitete dem Publikum viel Vergnügen.

Les jardins du Roy besteht aus Stefanie Geisberger an der Traversflöte, Katja Reiser an der Blockflöte und aus dem Oboisten Gianluca Rotta, drei bewährte und erfahrene Instrumentalisten, die seit Jahren erfolgreich Schüler unterrichten. Die Vierte im Bunde und neu im Team der JMS-Pädagogen ist die ebenfalls studierte Barockmusikerin Hélène Nassif an der Harfe. Ein Glanzlicht des Barock-Ensembles war die Oboe, wenn sie schön zwischen stoßender und fließender Melodie differenzierte, überzeugen konnte aber auch der klare Ton der Traversflöte, der sich dem Ton der anderen hervorragend zum Dialog anbot. Die fein ausgearbeitete Qualität dieses Quartetts hatte es in dem nüchtern klingenden Saal an diesem Abend freilich nicht so leicht, umspielte aber dennoch gekonnt das aufmerksame Ohr. Die erst jüngst gegründete, noch ganz frische Formation macht Hoffnung auf weitere schöne Konzerte mit höfischer Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

Erst kürzlich formierte sich auch das hochkarätig besetzte Akkordeon-Trio Drück mich mit dem bekannten Ausbilder, Dirigenten und musikalischen Leiter Waldemar Lang, der technisch versierten Barbara Helmle-Hofmeier und dem ebenso famos spielenden Ljubiša Lakovic aus Bad Dürrheim, der erst kürzlich zum JMS-Lehrerteam hinzugestoßen ist. Die drei Akkordeonisten setzten mit ihrem Spiel auf Anhieb Maßstäbe für zeitgenössische Akkordeonmusik. Bei dem Stück UFO kommt ihr Spiel wie aus Raumesweiten mit leichten, schnellen Tönen angeflogen. Das Trio meistert dieses schwierige Tempo-Stück aus dem musikalischen Werkzeugkasten der Raumfahrt mit großer Souveränität, Humor nd Virtuosität.

Das Akkordeon-Trio „Drück mich“ mit Waldemar Lang, Barbara Helmle-Hofmeier und Ljubiša Lakovic setzt hohe Maßstäbe bei Souveränität, Humor und Virtuosität.

Wer als Schüler lernen möchte, das Fagott zu beherrschen, sollte mindestens zwei Finger breit oder eine Hand breit größer sein als sein Instrument. Nach dieser Regel können schon Neunjährige dieses schön klingende Instrument spielen. Der Bachelor Fagottist Robert Oros zeigte bei dem Andante e Rondo Ungarese Op. 3 von Carl Maria von Weber durchweg ein kraftvolles und klares Spiel. Die romantische Klavierbegleitung übernahm seine Frau Laura Marc. Oros‘ Stärke ist ein voller Klang, beim Andante war es, als würde einem der Ton eines ganzen Orchesters entgegenkommen. Sein Allegro mit perfekten Wechseln im Rhythmischen mündete in eine ausgezeichnete Coda. Der junge, aufgeweckte Musiker Robert Oros darf als großes Talent gelten.

Der talentierte Fagottist Robert Oros wird bei einem romantischen Stück von seiner Frau Laura Marc begleitet.

Mit einer romantischen, oft gespielten Melodie von Jules Massenet überzeugte die Leiterin für den Fachbereich der Streichinstrumente, Alexandra Stumpf, am Flügel kongenial begleitet von Lehrerkollegin Arina Aartsen. Stumpf betreut zusammen mit mehreren Lehrerkollegen nahezu 30 Kinder und Jugendliche im Schulalter, aber auch Erwachsene. Sie ist seit einigen Jahren Konzertmeisterin des Sinfonischen Orchesters Hochschwarzwald. Pianistin Aartsen gibt neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin regelmäßig Konzerte, als Solistin wie auch als Kammermusikerin. An diesem Abend begleitete sie zudem Lehrerkollege Jan Kolck an der Trompete.

An der Geige überzeugte Alexandra Stumpf, Leiterin für den Fachbereich der Streichinstrumente, am Flügel kongenial begleitet von Lehrerkollegin Arina Aartsen.

Nicht zusammen studiert, aber zusammengefunden als Musiklehrer an der JMS Hochschwarzwald haben sich vier Klarinettisten, die an diesem Abend eine exzellente Kostprobe ihres Musikkönnens gaben. In Dvoraks Serenade d-Moll, op. 44 verwandelten sie stoßende Klänge kunstvoll in fließende Melodien. Danach folgte ein unterhaltsamer Ausflug ins moderne Fach. In einer witzigen Jazz-Suite verbreitete Maria-Anna Brucker mit der Bassklarinette mehrfach großen musikalischen Spaß. In A Stroll in the City beginnt die Melodie in einem tanzenden Schritt und nimmt die Hörer mit in eine gemütliche Jazz-Kneipe. In Hot Potato Boogie übernimmt sie gar die freche Rolle der Solistin. Der meisterliche Klarinettist Christoph Wirz spielt mit Charme und einem erstklassigen Vibrato die Oberstimme im Blowing the Blues. Wirz trägt wesentlich zum überaus professionellen Klang des Quartetts bei. Abgerundet wird der Ton freilich erst mit Klarinettist Istvan Elekes und der Klarinette von Brigitte Weigmann. Neben Weigmanns Namen in der JMS-Lehrerliste steht als Unterrichtsfach Klarinette für Menschen mit Behinderung. Ihr Unterricht ist ein gutes Beispiel für das weit gefächerte Angebot der JMS. Der Fachbereichsleiter Gitarre, Alexander Lehner, lieferte zusammen mit seinem neuen Kollegen Santiago Perdomo einen kurzen, aber prägnanten Nachweis, wie man Musik aus Südamerika interpretiert. Dies zeigte sich bei dem beachtlichen Stück „Cubana“ in einem wirbelnden Zusammenspiel, das den ganzen Saal ins Lauschen brachte. Der teilnehmende JMS-Lehrer für Saxophon war Jan Fehrenbach aus Löffingen, der mit viel Präsenz das Stück Concertino Op. 78 von Jean Babtiste Singelée intonierte. An seiner Seite Ljubiša Lakovic am Akkordeon.

Eine exzellente Kostprobe ihres Könnens gaben die Klarinettisten Christoph Wirz, Maria-Anna Brucker, Brigitte Weigmann und Istvan Elekes.

Durchs Programm führte Götz Ertle, selbst studierter Musiker und Lehrer für Klarinette und Saxophon sowie künstlerischer Leiter der JMS. Er hatte die 20 Konzertmitwirkenden vor einiger Zeit gefragt und um ein eigenes Konzert gebeten. Denn bei den recht häufigen Schülerkonzerten stehen nicht die Lehrer, sondern die kleinen und großen Schüler mit ihren musikalischen Fähigkeiten im Fokus. Nach dem letzten Lehrerkonzert 2017 hatte das Publikum somit erneut Gelegenheit, die Unterrichtenden mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne zu erleben und musikalisch einmal persönlich kennenzulernen.

Originaltext vom 5.2.20

In der Bearbeitung für die Badische Zeitung. erschienen am 5.2.20